Herausgeber:
Bündnis Kinder- und Jugendreha e.V. (BKJR)

in Zusammenarbeit mit:
der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische
Rehabilitation und Prävention e.V. (DGPRP)

Psyche und Atemwege sind häufige Gründe für Reha bei Kindern und Jugendlichen

Der Bedarf an Reha-Maßnahmen für chronisch kranke oder psychisch auffällige Kinder und Jugendliche wächst ständig. Vor allem Probleme mit Psyche, Gewicht und Atemwegen führen Kinder und Jugendliche in die Reha-Kliniken. Dementsprechend haben die Anträge und Bewilligungen (90%) für eine Kinder- und Jugendreha in 2019, also noch vor der Corona-Krise, deutlich zugenommen.

Auch wird die seit 2016 ausgeweitete Grenze der Begleitmöglichkeit bis zum 12. Geburtstag häufiger genutzt. Immer mehr Kinder (57% gegenüber 34% in 2014) werden in der Reha von einem Elternteil oder einer anderen nahen Bezugsperson begleitet.

2019 führte die Deutsche Rentenversicherung (DRV) als Hauptkostenträger bundesweit 33.421 stationäre Reha-Maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen durch. Das sind 2% mehr als 2018. Rund 221 Mio. Euro gab die Rentenversicherung 2019 (7,9% mehr als in 2018) für die Kinder- und Jugendreha aus. Dieses Budget macht 3,2% der Gesamtausgaben der DRV für die Rehabilitation aus. In den Ausgaben enthalten sind die Kosten der Rehabilitationen, Reisekosten, Kosten der mitaufgenommenen Begleitpersonen und Begleitkinder sowie Aufwendungen für die Erstattung des Verdienstausfalls der Begleitpersonen. All diese Zahlen und Fakten fasst die DRV in ihrem aktuellen Statistikband „Rehabilitation 2019“ zusammen, der kürzlich veröffentlich wurde*.

Jungen leider öfter an Asthma bronchiale, Mädchen an starkem Übergewicht

Etwas mehr Jungen (54%) als Mädchen (46%) nahmen 2019 an einer mehrwöchigen Rehabilitation teil. Bei den Jungen steht Asthma bronchiale auf der Liste der Reha-Gründe ganz vorn vor Adipositas, bei den Mädchen ist es umgekehrt. Die Skoliose liegt bei den Mädchen an dritter Stelle, bei den Jungen erst an siebter. ADHS kommt bei den Jungen am fünfthäufigsten vor, bei den Mädchen am zehnthäufigsten. Anpassungsstörungen sind bei den Mädchen auf Platz sechs, bei den Jungen an zehnter Stelle.

Fasst man die häufigsten Erstdiagnosen bei Kindern und Jugendlichen zu Gruppen zusammen, so ergibt sich für 2019 folgendes Bild: Bei psychischen Störungen und Verhaltensstörungen wurden 9.336 Maßnahmen durchgeführt, das waren 27,9% aller Maßnahmen mit einem Anstieg von 7% gegenüber 2018. Es folgen die Atemwegserkrankungen mit 7.675 Maßnahmen, einem Anteil von 23% (-2,7% gegenüber 2018); Adipositas mit 5.099 Maßnahmen, einem Anteil von 15,3% (-6,9% gegenüber 2018) sowie orthopädische Erkrankungen mit 3.014 Maßnahmen, einem Anteil von 9% (+10,3% gegenüber 2018). Vielfach lässt sich das Beschwerdebild aber nicht auf eine Diagnose reduzieren, bei immer mehr jungen Reha-Patienten werden daher Mehrfachdiagnosen gestellt. Die etwa 50 spezialisierten Kinder- und Jugend-Rehakliniken in Deutschland sind hierfür ausgerichtet. Das interdisziplinäre Reha-Team in den Kliniken entwickelt abhängig von der Diagnose und den persönlichen Bedürfnissen des Kindes ein individuelles Therapieprogramm für durchschnittlich 4-6 Wochen – auch in Corona-Zeiten. Seit Mai haben die Rehakliniken wieder geöffnet und sorgen mit ausgewiesenen Hygienekonzepten für die Sicherheit ihrer Patienten und deren Begleitpersonen.

*Quelle:
Statistikband „Rehabilitation 2019“, DRV, Juli 2020
https://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/Downloads/DE/Statistiken-und-Berichte/statistikpublikationen/statistikband_rehabilitation_2019.html

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