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Bündnis Kinder- und Jugendreha e.V. (BKJR)

in Zusammenarbeit mit:
der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische
Rehabilitation und Prävention e.V. (DGPRP)

Mehr Reha-Aufenthalte für Kinder und Jugendliche bewilligt

Über die Notwendigkeit von Rehabilitationen für Kinder und Jugendliche sowie die Entwicklung der Reha-Bewilligungen informierte das Bündnis für Kinder- und Jugendreha im Zuge einer Auftaktveranstaltung zum Deutschen Reha-Tag in Bad Salzungen.

©iStock - shironosov

In Deutschland werden wieder mehr Reha-Behandlungen für chronisch kranke Kinder in Kurkliniken bewilligt. Nach kontinuierlichen Rückgängen bis 2016 sei seit 2017 ein Anstieg zu verzeichnen, sagt Alwin Baumann, Sprecher des Bündnisses Kinder- und Jugendreha, im Rahmen der Auftaktveranstaltung zum diesjährigen Deutschen Reha-Tag am 23. September in Bad Salzungen (Wartburgkreis). Verantwortlich dafür sei in erster Linie eine Gesetzesänderung. Diese habe unter anderem die Möglichkeiten für Eltern verbessert, ihre Kinder in die Reha-Klinik begleiten können.

Baumann zufolge hat allein die Deutsche Rentenversicherung 2018 rund 40.000 Anträge bewilligt, knapp 33.000 Kinder und Jugendliche traten eine stationäre Reha an. Dies seien zehn Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Die Ausgaben der Rentenversicherung dafür beliefen sich auf 205 Millionen Euro. Hauptgründe für die vier- bis sechswöchige Behandlung in einer Reha-Klinik waren psychosomatische Erkrankungen wie ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung), chronische Atemwegserkrankungen wie Asthma sowie krankhaftes Übergewicht (Adipositas). In Deutschland sind nach Schätzungen 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen chronisch krank. Von diesen wiederum erhielten nur etwa 2 Prozent eine medizinische Rehabilitation, so das Bündnis.

Diese Dimension verdeutlicht nach Ansicht des hauptsächlich von Kliniken getragenen Bündnisses ein bestehendes Informationsdefizit. Auch verordnende Ärzte wüssten häufig nicht gut genug Bescheid über die Möglichkeiten. "So landen viele Kinder in der falschen Maßnahme, nämlich einer Eltern-Kind-Kur statt in einer Kinder- und Jugend-Reha", erklärt Baumann. Bei Eltern-Kind-Kuren stünden aber die gesundheitlichen Belastungen der Eltern im Vordergrund, nicht die der Kinder. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte beobachtet teilweise auch eine Scheu von Eltern, eine Kur für ihre chronisch kranken Kinder in Anspruch zu nehmen. "Sie trauen sich nicht zu fragen", meint Verbandssprecher Dr. Hermann Josef Kahl.

In Deutschland gibt es nach Angaben des Bündnisses 50 auf Kinder und Jugendliche spezialisierte Rehabilitationskliniken, darunter drei in Thüringen: Bad Frankenhausen (Kyffhäuserkreis), Bad Sulza (Kreis Weimarer Land) und Bad Salzungen. Beim Deutschen Reha-Tag informieren Vertreter von Kliniken, Patientenverbänden, Rentenversicherung und Krankenkassen über Voraussetzungen für Kinder- und Jugendrehabilitationen und Behandlungsmöglichkeiten.

Berichterstattung der dpa von der Auftaktveranstaltung am 23.9. in Bad Salzungen.

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